Handlungsorienterter Unterricht
1 . Die Bildungseinrichtung
Das Polytechnische College PCET in Ulaanbaatar, Mongolei, ist eine private Einrichtung und verfügt über ca. 100 Mitarbeiter.

Diese berufsbildende Schule hat verschiedene Zweige. Diese sind Nahrung, Gebäudeerrichtung und Ausbau, Kraftfahrzeugtechnik sowie Installation und Heizungsbau.
Für letztere Abteilung war ich tätig.
2. Meine Aufgabe:
Das College sucht Unterstützung zur Qualifikation der Lehrkräfte in den Bereichen Heizungs-, Klima- und Wassertechnik zu verbessern. Besondere Schwerpunkte sind:
– Analyse des aktuellen Stands der Ausbildung
– Identifizierung von Verbesserungspotenzialen
– Schulung der Lehrer in der Methodik des Unterrichts
– Unterstützung bei der Entwicklung neuer Lehrpläne
Erstaunt war ich über die Existenz eines Fachbuches des
Bildungsverlags EINS in mongolischer Sprache. „Anlagenmechaniker Sanitär-Heizung-Klima“
des Autors Herbert Zierhut. Eine gute Wahl, da es in einfacher Sprache sehr Schülergerecht ist. Es wurde im Rahmen der Millennium Challenge Corporation angeschafft.
Was ich vorfand
Aufträge in der Werkstatt und im Unterricht werden von den Lehrkräften mündlich vorgetragen. Nachfragen von Schülern sind dabei häufig und hemmen den Unterrichtsfluss. Arbeitsblätter mit klar formulierten Aufträgen und Abmessungen wären hier hilfreich.
Auch ist der Unterricht wenig problemorientiert. Die Problemstellung als Kundenauftrag ist hier fremd. Derartige Arbeitsaufträge ergeben eine praxisorientierte Aufgabenstellung, die für die Schüler eine wichtige Zielorientierung für die künftige Arbeitswelt darstellen, welche die Schüler auch besser annehmen.
Kundenaufträge können mit Hilfe von Arbeitsblättern, die den späteren Arbeitsaufträgen in einer Firma sehr ähneln, in Ruhe und gründlicher Überlegung zuhause formuliert werden. Dies ist zwar momentan ein höherer Aufwand, erleichtert aber die Arbeit der Lehrkräfte in künftigen Jahren erheblich.
Ein mongolisches Sprichwort lautet: „Es ist 1000 mal besser etwas zu sehen, als es zu hören.“ Es vermittelt den Eindruck des Lernens vom Zusehen. Das „machen“ kommt da noch zu kurz.
Allgemein kann man sagen, dass der Unterricht mit den Schülern gut und zielgerichtet ist.
Im Werkstattbereich wurden vor ca. 10 Jahren von der Millennium Challenge Corporation
4 sehr hochwertige Demonstrations- und Übungsanlagen zur Verfügung gestellt. Jedoch erfolgte keine Einweisung wie die Geräte zu verwenden sind. Sie wurden daher lediglich als dreidimensionale Anschauungsobjekte genutzt.
Besondere Bedingungen
Die Zusammenarbeit war freundlich, respektvoll und sehr angenehm. Allerdings waren die sprachlichen Probleme weit größer als erwartet. Bei den Lehrkräften sind zwar Englischkenntnisse vorhanden, aber weit weniger geübt und teilweise mit starkem Akzent, was die Verständigung oft recht stockend machte. Überaus hilfreich war der Einsatz einer Online-Anwendung, bei der man auf deutsch sprechen oder schreiben konnte und die es auf mongolisch übersetzte, welches das Gegenüber dann lesen konnte.

Beim klären auf Englisch stellte sich jedoch öfter mal eine falsche Übersetzung heraus. Einmal kam ein Kollege und hielt mir Erwartungsvoll sein Handy hin. Darauf stand: „warst du heute schon?“ Auf die Gegenfrage „Wo?“ ging er wieder an seinen Schreibtisch zurück.
Oder: Beim Frühstück kam ein Auszubildender mit dem Handy: „ wie viel hast du?“ Meine Gegenfrage: Wie alt ich bin? Handy: „ Nein, Nein, wie viel Jahre?“
Was ein Programm aus der Eingabe macht ist oft nicht abzuschätzen!
Bei dinglichen Sachen bekommt man das vielleicht gerade noch hin, aber wenn es um Gedanken oder Feinheiten der Ausdrucksweise geht, ist ein Dolmetscher unumgänglich.
Für künftige Einsatze sollte zumindest jemand dabei sein, der von englisch auf mongolisch übersetzt, wenn deutsch auf mongolisch nicht möglich ist.
Meine Unterstützung
Die Sprachprobleme führten dazu, dass die Überarbeitung des Lehrplans zügig bei Seite gelegt wurde.

Arbeitsblätter:
Die bei uns praktizierte Vorgehensweise über strukturierte Informations- und Arbeitsblätter mit klaren, vorüberlegten Arbeitsanweisungen fanden sie sehr hilfreich.
Hierbei konnte mein Einsatz konkrete und weitreichende Unterstützung bewirken. Mit Lehrkräften wurden exemplarisch Arbeitsblätter entwickelt, bei denen sie auch den erweiterten Umgang mit dem Computerprogramm erwarben.
Werkstatt:
F ür zwei der Demonstrationsanlagen, bei denen es um die Effizienz von Heizungsanlagen geht, wurden die technische Unterlagen beschafft, um diese sachgemäß zu nutzen. Teilweise mussten sie noch einsatzbereit gemacht werden. Mit diesen Unterlagen konnten von mir entsprechende Übungsaufgaben und Protokolle zur Durchführung der Schülerversuche erstellt werden.
Anlage 1: Pumpentechnik

Bei dieser Anlage geht es um das Verständnis der Kennlinien von Pumpen- und Rohrnetzkennlinie sowie die richtige Einstellung der Pumpe. Ohne dieses Verständnis ist keine Heizungsanlage richtig einzustellen. Es ist eine wesentliche Grundlage eines Heizungsbauers.
Anlage 2: Gebäudeheizung

Hier geht es um den Hydraulischen Abgleich, eine Maßnahme die dafür sorgt, dass jeder Heizkörper die Wassermenge bekommt, die er aufgrund seiner Größe benötigt. Dieser Abgleich ist die wichtigste Maßnahme zur Steigerung der Energie-Effizienz, wie sie derzeit auch in Deutschland, für alle Arten von Energieerzeugern gefordert wird.
Die ersten Schüler waren die Lehrkräfte dieser Abteilung, die hierbei gleichzeitig die Handhabung und unterrichtliche Vorgehensweise selbst erfahren konnten.
Diese Anlagen sind überaus Wertvoll für die Ausbildung, da sie Theorie und Praxis miteinander verbinden und in der beruflichen Praxis 1:1 angewendet werden müssen, um CO2-Ausstoß und Klimaerwärmung zu reduzieren.
Vortrag an der Universität
I m Rahmen meiner umfangreichen Vorbereitungen hatte ich mich neben der neuesten Allgemeinen Didaktik auch mit dem in Bayern aktuell durchgeführten „Qualitätsmanagement an Beruflichen Schulen“ QmbS auseinander gesetzt.

Durch Kontakte zur Universität von Ulan Bator, hatte ich die Gelegenheit, dieses Qualitätsmanagement dem Chef der Abteilung Umwelttechnik in der Lehrerbildung und einigen Lehrkräften in einem Vortrag näher zu bringen.
Alle Anwesenden waren sehr beeindruckt von den bei uns unternommenen Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichts und den wertschätzenden Maßnahmen für die Schüler.